Ich liebe die Stille der Lost-Place-Fotografie – dieses besondere Gefühl, wenn man einen verlassenen Ort betritt und es scheint, als wäre die Zeit dort irgendwann einfach stehen geblieben. Wenn nur das Licht, die Räume, zurückgelassene Dinge und die Spuren vergangener Geschichten erzählen. Diese Ruhe, das langsame Entdecken und die beinahe melancholische Atmosphäre faszinieren mich immer wieder aufs Neue.
Genauso brauche ich aber auch den völligen Gegensatz dazu: den Bühnengraben, die Bühne und die Welt hinter den Kulissen. Laut, rockig, energiegeladen und manchmal vollkommen unberechenbar. Dort passiert alles innerhalb weniger Augenblicke. Licht verändert sich, Musiker bewegen sich, Emotionen entstehen – und oft bleibt nur ein Bruchteil einer Sekunde, um genau diesen einen Moment einzufangen.
Besonders spannend finde ich dabei auch die Momente abseits des eigentlichen Konzerts. Backstage entsteht eine ganz eigene kleine Welt, die das Publikum normalerweise kaum zu sehen bekommt. Die Minuten vor dem Auftritt, Konzentration und Anspannung, ein kurzer Blick zwischen den Musikern, Gespräche, Lachen oder diese besondere Ruhe unmittelbar bevor es auf die Bühne geht. Ebenso die Augenblicke danach, wenn die Energie des Konzerts noch spürbar ist, aber langsam wieder Normalität einkehrt.
Gerade diese ungeplanten und leisen Momente zwischen all der Lautstärke erzählen für mich oft genauso viel wie die große Show selbst. Sie zeigen die Menschen hinter der Bühne und machen eine Konzertreportage erst vollständig.
So unterschiedlich Lost Places und Konzertfotografie auf den ersten Blick wirken, haben sie für mich etwas Entscheidendes gemeinsam: Es geht darum, Atmosphäre einzufangen und Geschichten sichtbar zu machen. Einmal in völliger Stille, zwischen verlassenen Mauern und vergangenen Zeiten – und einmal mitten in Licht, Musik, Bewegung und purer Energie. Genau diesen Wechsel zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten brauche und liebe ich an meiner Fotografie.