Zwischen Stille, Leidenschaft und Geschichten
1981 in Waldkirch geboren, verbrachte ich meine Kindheit im Elztal – einer Region, mit der ich bis heute eng verbunden bin. Ursprünglich habe ich den Beruf der Arzthelferin erlernt. Meine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte ich eher durch Zufall: Eine neue Kamera, eigentlich für einen Urlaub angeschafft, entfachte eine große Liebe, die zunächst mit der Landschaftsfotografie begann und mich schon bald zu einem ganz besonderen Genre führte – der Lost-Place-Fotografie.
Verlassene Orte faszinieren mich bis heute. Es sind nicht nur die zerfallenden Gebäude, sondern vor allem die Spuren der Menschen, die dort einmal gelebt und gearbeitet haben. Zurückgelassene Gegenstände, verblasste Tapeten, leere Räume oder ein einzelner Stuhl können Geschichten erzählen, ohne ein Wort zu sagen. Besonders beeindruckt mich dabei das Zusammenspiel von Vergänglichkeit und Natur: zu beobachten, wie Pflanzen, Feuchtigkeit, Licht und Zeit langsam zurückerobern, was der Mensch einst geschaffen hat.
Für meine Fotografien bin ich immer wieder auf der Suche nach solchen stillen Orten und ihren Geschichten. Manche begleite ich über Jahre und halte fest, wie sie sich verändern, verschwinden oder schließlich ganz der Natur überlassen werden. Dabei geht es mir nicht darum, lediglich den Verfall zu dokumentieren. Ich möchte die besondere Atmosphäre eines Ortes sichtbar machen – seine Schönheit, seine Ruhe, seine Melancholie und manchmal auch das Geheimnisvolle, das in ihm zurückgeblieben ist.
Aus dieser Leidenschaft entstanden inzwischen mehrere Buchprojekte. 2022 wurde mein Bildband „Lost Places im Schwarzwald“ auf der Buchmesse Hinterzarten mit dem „Wälderliebling“ ausgezeichnet. Meine Fotografien finden darüber hinaus ihren Weg in Ausstellungen, in denen die Bilder noch einmal auf eine ganz andere Weise wirken können. In Vorträgen nehme ich mein Publikum mit hinter die Kulissen meiner Arbeit, erzähle von besonderen Orten, ihren Geschichten und davon, was mich an der Lost-Place-Fotografie immer wieder aufs Neue fesselt.
Doch meine fotografische Welt endet nicht an den Türen verlassener Gebäude. Einen starken Kontrast zur Stille der Lost Places bildet für mich die Konzertfotografie. Hier bestimmen Licht, Bewegung, Energie und Emotion den Moment. Im Bühnengraben bleiben oft nur wenige Sekunden, um genau den Ausdruck oder die Stimmung einzufangen, die einen Konzertabend ausmacht. Gerade dieser Gegensatz fasziniert mich: auf der einen Seite Orte, an denen die Zeit scheinbar stillsteht – auf der anderen Seite Augenblicke voller Lautstärke, Dynamik und Leben.
Eine weitere wichtige Rolle spielt für mich meine Heimat. Deshalb widme ich mich fotografisch auch der Fasnet und dem Brauchtum im Schwarzwald und im Elztal. Masken, Häser, jahrhundertealte Traditionen und die Menschen, die dieses Brauchtum mit großer Leidenschaft leben, bieten unzählige Geschichten und Motive. Dabei interessiert mich nicht nur das offensichtliche Spektakel, sondern ebenso das, was hinter den Kulissen geschieht: Vorbereitung, Gemeinschaft, kleine Gesten und jene Augenblicke, die Außenstehenden häufig verborgen bleiben.
So unterschiedlich Lost Places, Konzerte und Fasnet auf den ersten Blick erscheinen mögen, verbindet sie für mich etwas Entscheidendes: Es geht immer um Atmosphäre, Emotionen und Geschichten. Genau diese Momente möchte ich mit meiner Kamera bewahren – manchmal leise und geheimnisvoll, manchmal laut und voller Energie, aber immer mit meinem eigenen Blick auf das, was vor mir liegt.