Es ist Fasnet-Samschdig …….
Die Kälte kriecht langsam unter die Jacke, die Kamera liegt schwer in meinen Händen. Dann kommen sie. Die Hexen. Der Teufel. Der Tanz.
Und wie jedes Jahr ist sie sofort da – diese Gänsehaut.
Wenn die Stimme des Teufels über den Platz hallt, lächle ich. Und gleichzeitig tut es ein bisschen weh.
Denn ich stehe dort nicht nur als Fotografin.
Ich stehe dort als Kind.
Ich bin mit den Kandelhexen aufgewachsen. Mein Opa war selbst Teil der Zunft. Für ihn waren es nie „die“ Hexen – es waren seine Hexen. Pünktlich zur Fasnet hing die Hexenfahne am Balkon, Tage vorher schallte der Hexenwalzer durch die Wohnung, und seine Maske mit Kopfputz hing das ganze Jahr über im Wohnzimmer.
Ich erinnere mich daran, wie ich mit den Hexen auf dem Sofa im Wohnzimmer meiner Großeltern saß. Wie ich beim Umzug mit meinen Eltern und meiner Oma am Rand stand, die Augen suchend – und wie mein Herz jedes Mal einen Sprung machte, wenn mein Opa mich sah, aus der Reihe trat und zu mir kam. Das war mein Moment. Immer.
Auch als er nicht mehr aktiv mitlief, standen wir gemeinsam beim Hexensabbat. Schulter an Schulter. Still. Verbunden.
Seine Hexenmaske ist das Wichtigste, was ich von ihm geerbt habe. Heute hängt sie in meinem Arbeitszimmer. Nicht als Erinnerung an etwas Vergangenes – sondern als Verbindung. Zu ihm. Zu meiner Heimat.
Nachts schicke ich die ersten Fotos per WhatsApp an eine befreundete Hexe. Kurz darauf gehen sie weiter, von Handy zu Handy. Später folgt der Download-Link. Still. Selbstverständlich. Aus dem Herzen heraus.
Vielleicht sind es für andere „nur“ Hexen.
Für mich sind es Heimat.
Erinnerung.
Liebe.
Und deshalb werden es für mich immer irgendwie
meine Hexen sein.
Hexe–Hexe–Stelze
rab vum Kandelfelse 🖤