- Lost places -

Die große Kurklinik

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KEin VAndalismus - ein traum von Lost place

Ihre  Blütezeit hatte die Reha-Klinik mit 320 Betten in den 60-er und 70-er Jahren, als der Kurort noch über 300.000 Übernachtungen hatte und auch als Feriengemeinde sehr beliebt war.

1963 gegründet. Vor 20 Jahren schlitterte der Betrieb in die Insolvenz, mit 50 Millionen Mark Schulden. Der Betreiber stand vor den Trümmern seines Lebenswerks. Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. 

Die Gründung der Kurkliniken fiel in die Wirtschaftswunderzeit. Die Menschen konnten sich wieder etwas leisten. »Die Patienten waren gar nicht so krank. Jeder hat damals seine vier Wochen Kur bekommen und dann noch mal zwei Wochen Verlängerung«, erinnert sich der 70-Jährige. Sein Vater, ein ausgebildeter Arzt, nutzte die Gunst der Stunde. »Er war gebürtig aus Karlsruhe, lebte aber mit meiner Mutter in Berlin, wo ich auf die Welt kam und aufwuchs.« 

Der Gründer ließ seine Familie in Berlin, trennte sich von seiner Frau,  heiratete erneut in der neuen Heimat – und eröffnete dort am 1. Januar 1963 die Kliniken. Der Rohbau für das erste Klinikgebäude wurde in Rekordzeit hochgezogen. »Wir startete mit Herz-Kreislauf-Behandlungen, 88 Betten und zwei Ärzten. Der Pflegesatz lag bei 18 Mark.« Am Ende sollten es 320 Betten werden.

»Bauern mit Pferden«

Der Sohn folgte seinem Vater schon im Gründungsjahr von Berlin nach in das kleine Dorf. Damals war er 17 und der Ortswechsel für ihn ein Kulturschock. »Hier gab es nicht mal eine Hauptstraße, da sind die Bauern mit ihren Traktoren und Pferden gefahren.« Warum kam er überhaupt? »Ich wusste in Berlin nicht so recht, was ich machen sollte. Mein Vater hat mich dann hierher geholt, und ich bin hängengeblieben.«

1970 übernahm er den Betrieb als Geschäftsführer, zusammen mit seinem Vater bis zu dessen Tod 1984. »Die 1970er-Jahre waren die große Zeit«, erinnert sich Wagner. Die Zimmer waren voll. »Es war immer Halligali.« Damals gab es eine Weinstube in der Klinik, in der so viel getrunken wurde, dass sogar die Bild-Zeitung über torkelnde Patienten in den Kliniken »Wir machten Kontrollgänge durch die Zimmer. Nicht immer waren die Patienten allein.« 

Die Klinik wurde ausgebaut, öffnete die Kurkliniken für Privatpatienten. Und für  neue Techniken. »Wir waren die ersten in Deutschland, die mit Stoßwellen gearbeitet haben.« Ab 1990 nahm er umfangreiche Umbaumaßnahmen vor, machte 50 Millionen Mark Schulden. Monatlich zahlte er 250 000 Mark Zinsen.

Trotzdem habe der Laden gebrummt, erinnert sich der Sohn des Gründers »Im Mai 1996 habe ich noch groß meinen 50. Geburtstag gefeiert.« Dann der Schock. »Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte hat mir im Oktober 1996 gekündigt, ohne Vorwarnung.« Mit den gesetzlich Versicherten brach das wichtigste Standbein der Klinik weg.

Die Folgen: »Ich musste Mitarbeiter entlassen, versuchte die Zimmer mit Privatpatienten zu füllen. Aber es war hoffnungslos«, erzählt der 70-Jährige. Die Kliniken schrieben tiefrote Zahlen, zuletzt war es ein Minus von sieben Millionen Mark. 1997 musste der Sohn Insolvenz anmelden. »Als ich zurückkam, saß in meinem Büro schon der Insolvenzverwalter.«

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