- Lost places -

Die HErdfabrik mit Villa

Verlassen &

Vergessen

Ausgekocht

Alles begann mit einem Handwerker namens Dengler.  Anno 1878 installierte er eine Werkstatt. Eine andere wichtige Person war Otto Burkhardt, der  mit einer pyrotechnischen Fabrik ein Vermögen machte. Bekanntlich boomte vor dem Ersten Weltkrieg das Geschäft. Da sich Burkhardts Frau ein weniger explosives Arbeitsumfeld für ihren Mann wünschte, ließ dieser sich ausbezahlen und fand in Denglers Herdfabrik eine neue Herausforderung. 100 000 Reichsmark gingen bar über den Tisch. Verkaufte Otto Burkhardt zunächst auch ins Elsass und die Schweiz, ja sogar bis Italien, verlagerte sich nach 1919 das Geschäft nach Deutschland.

Auf Lager hatte man immer 300 Stück gestapelt, um für Bestellungen von 100 Stück gewappnet zu sein, die meist von jüdischen Vertretern geordert wurden. Als 1937 Ott Burkhardt starb, übernahm seine Tochter Marie das Geschäft. Sie führte es alleine, denn sie und ihr Mann, ein Pastor aus dem Elsass, gingen getrennte Wege. Das Dritte Reich überstand die Firma mit Glück und Geschick. Mit großem Redetalent und überzeugenden Argumenten, »Speck und Kirschwasser« führte die Mutter im Ruhrgebiet sogenannte Kompensationsgeschäfte. So kam Blech nach Offenburg. Der junge Gottfried Sohn der Marie, verpasste in der Offiziersschule in Stuttgart die Invasion in der Normandie, danach wurde ein Herzleiden diagnostiziert. Wider Erwarten wurden die Zeiten nach 1945 härter. Viele­ kleine Firmen gaben auf, gingen pleite oder wurden von den großen Firmen aufgekauft. Gottfried Buob zitiert Karl Marx‘ Wort vom Konzentrationsprozess. Die Herdfabrik Otto Burkhardt, die auch in ihren besten Zeiten nie mehr als 30 oder 40 Arbeiter hatte, stemmte sich dagegen, nutzte­ ihre »Kleinheit«und bot Gaststätten, Hotels und Bauernhöfen Fertigung nach Maß. »Was wollen Sie haben?« Mit diesem Spruch auf den Lippen reisten sie durch die Lande. Es war ein »mühsames Zusammenfechten der Aufträge.1951 entwickelte Gottfried Buob den »Offo 1951«, benannt nach Offenburgs legendärem Stadtgründer. Dieser Herd hatte keinen Schnörkel, dafür Chrom, klare Linien und Kanten. »Ich war meiner Zeit voraus«, seufzt der alte Konstrukteur über einer Fotografie des Küchengeräts, das aus einem Bauhaus-Atelier hätte stammen können. »Ich dachte, das reißt den Markt auf – Pustekuchen.«

1963 schloss die Firma

1963 beschloss seine Mutter, das Kapitel Herdfabrik zu beenden und brachte die Arbeiter bei Meiko und anderswo in Offenburg unter. Danach lebte man von Ersatzteilverkauf und Vermietungen. Danach kümmerte sich Gottfried um Mutter und Tante Frieda, machte sich in Haus und Garten nützlich und belegte Zeichen- und Malkurse. Mehr recht als schlecht vermieteten sie die Hallen, aber viele Mieter wollten oder konnten nicht bezahlen. Weil es an Mitteln für notwendige Reparaturen fehlte, versiegte auch diese Quelle. Was blieb? Er sammelte und wurde zum Freund der alten Dinge, wie seine Mutter auch, deren Preziosen er immer noch in Ehren hält. Auf ihren Touren durch den Schwarzwald rettete sie mehr als einmal eine Schwarzwalduhr aus dem Brennholz. 

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